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Evercade

Vor kurzem erreichte mich ein feines Paket mit noch feinerem Inhalt. Die Evercade interessierte mich schon seit ihrem ersten erscheinen. Ein Freund von mir fragte mich erst vor kurzem ob ich diese bereits kennen würde. Als ich erwiderte, dass sie bereits auf meiner Liste steht, aber bisher nur in US erhältlich ist, meinte er: „Aber die ist doch auch hier erhältlich!?“

Nun es hat nicht lange gedauert und nun kann ich auch euch meine bisherigen Erfahrungen mit dem Gerät berichten. Gleich vorweg: Ich werde vor allem auf die Hardware und das Betriebssystem der verschiedenen Evercade Modelle eingehen. Die Spiele sind hier nicht der Fokus.

Evercade Komplettpaket

Es handelt sich hier um eine Konsole und zwei Handhelds, einen großen und einen kleinen. Zuerst schauen wir uns das große Handheld an, die Evercade EXP.

Evercade EXP

Die Evercade EXP ist die Weiterentwicklung des ursprünglichen Evercade Handhelds von Blaze. Hier hat sich einiges getan. Eines der größten Unterschiede ist wohl vor allem das Design der EXP zu ihrem Vorgänger. Leider kann ich euch hier kein direktes Vergleichsbild liefern, da ich nur die neue hier habe. Doch so sieht die alte Version des Handhelds aus:

Im Allgemeinen haben sich auch die Specs der neuen EXP Version deutlich verbessert. So bekam die CPU mit 1,5GHz im Gegensatz zu den vorigen 1,2 GHz einen stärkeren Prozessor. Bis auf das Design ist aber das deutlichste Upgrade der Display. Dieser ist mit einer Größe von 4,3 Zoll zwar gleich groß geblieben, die Auflösung hat jedoch einen deutlichen Sprung gemacht. Von 480 x 272 auf 800 x 480 und nutzt einen IPS Screen. Zusätzlich ist die neue EXP nun mit WiFi und einem 4 GB großem internen Speicher ausgestattet. Auf diesen komme ich später zu sprechen. Ein weiteres kleines Upgrade ist der Wechsel von einem Micro-USB auf ein USB-C-Anschluss.

Der neue TATE-Mode reiht sich in die Neuerungen ein und hat mir persönlich besonders gefallen. Mit diesem ist es möglich, gerade die alten Shoot ‘em ups Aufrecht in originaler Bildschirmausrichtung spielen zu können. Eine willkommene Erweiterung.

Insgesamt liegt der Handheld gut in der Hand und fühlt sich nach einer ordentlichen Verarbeitung an. Das Gewicht lässt den Handheld wertig, aber nicht zu schwer in den Händen liegen. Die leichte Riffelung hilft für einen besseren Grip und die Größe passt gerade so. Gamer mit besonders großen Händen könnten ihre Probleme bekommen, aber besser als die Joycons einer Switch allemal. Die A, B, X, Y Knöpfe drücken sich einen Tick zu weich für meinen Geschmack haben aber ein zufriedenstellendes Feedback. Das Steuerkreuz lässt sich gut in alle Richtungen drücken, schnappt aber ganz dezent in die vier Hauptrichtungen ein wenn man sie drückt. Das klappt sehr gut bei den Spielen. Die Schultertasten sind Blaze wirklich gut gelungen. Beide Paare lassen sich gut erreichen und haben einen angenehmen Druckpunkt. Einziges Manko hier ist das etwas laute Klicken.

Neben den Schultertasten bietet die Evercade auch einen Mini HDMI Anschluss, mit dem der Handheld theoretisch an einen Fernseher angeschlossen werden kann. Warum das bei mir nicht zum Einsatz kam, erfahrt ihr später.

Wie zu erwarten, kann man auch einen Kopfhörer an die Konsole anschließen. Die Konsole muss sich aber auch nicht verstecken, wenn es um ihre Lautsprecher geht. Der Ton lässt sich nicht zu laut stellen. Dies ist aber vollkommen in Ordnung und der Sound ist bei jedem von mir getesteten Spiel angenehm und sauber gewesen. Die Spiele liefen stets flüssig. Während des Testens konnte ich keine Inputlags feststellen. Mit einer Akkulaufzeit von knapp über 4 Stunden bei einer vollen Spielesession ist auch der verbaute Akku vollkommen in Ordnung. Hier kommt es wie immer auf verschiedene Faktoren an. Die angegebenen 4-5 Stunden Laufzeit scheinen aber realistisch. Nicht zu vergessen ist, dass auf dem Handheld selbst bereits eine Sammlung von 18 Capcom Spielen vorinstalliert ist. Darunter zu finden ist: Street Fighter II, Mega Man X, Breath of Fire und 1943, das auch gleich vom benannten TATE Modus profitieren kann.

Insgesamt hat mich die Evercade EXP sehr überzeugt, vor allem wenn man den Preispunkt von etwa 120 € bedenkt, bekommt man hier für sein Geld schon eine ganze Menge.

Evercade VS

Die VS ist die Konsolenversion der Evercade. Natürlich wäre auch die Evercade EXP selbst dazu in der Lage direkt an einem Fernseher angeschlossen zu werden, wie bereits weiter oben erwähnt. Jedoch bringt die VS noch ein paar weitere Vorteile mit sich.

Die Konsole ist fähig zwei Cartridges gleichzeitig zu beherbergen. Eine durchaus gute Idee. Auf beide Spielemodule kann dann über das Hauptmenü zugegriffen werden.

Der offensichtliche Vorteil und voraussichtlich auch ein Grund der Namensgebung, ist die Möglichkeit mehrere Controller an die VS anzuschließen und mit oder gegen Freunde spielen zu können. Zwei dieser Controller sind bereits mit der Konsole mitgeliefert. Bis zu vier kann man per USB anschließen.

Die Controller selbst sind eindeutig dem Design des alten Evercade Handhelds nachempfunden. Nach dem Auspacken ist mir gleich eine Sache positiv aufgefallen. Das Kabel des Controllers hat mit 3m eine ordentliche Länge. Somit kann man sich mit diesem getrost ins Sofa fallen lassen. Die A, B, X, Y Buttons haben hier einen besseren Druckpunkt als die Buttons der EXP. Vom Gefühl her ähneln sie den Buttons eines PS5 Controllers. Ein klarer Pluspunkt. Das D-Pad hat noch ein Tick mehr von dem Einrasten, von dem ich schon bei der EXP erzählt habe. Das wird Geschmackssache sein, gefällt mir persönlich aber sehr gut. Leider ist das Kreuz hier für meinen Geschmack etwas zu dominant, wenn der Daumen aufliegt. Das fühlte sich beim EXP angenehmer an. Was die Schultertasten angeht, ist der Druckpunkt genau so gut wie die der EXP, mit demselben etwas lautem Klicken. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist die Entscheidung für die L2 und R2 Taste. Die sind nicht wie beim EXP der Abschluss des Controllers, sondern wie weitere Buttons oben auf. Sie liegen zwar weit genug auseinander, jemand mit größeren Fingern läuft aber eventuell in Gefahr, diese auch mal ungewollt zu drücken.

Ich konnte es natürlich nicht lassen und habe meinen 8Bit-Do ebenfalls ausprobiert und mit meinem PS5 Controller verbunden. Funktionierte ohne Probleme.

Die Konsole selbst verfügt zur Stromversorgung über einen Micro-USB Anschluss sowie einen HDMI Anschluss. Das Bild zum Fernseher ist einwandfrei, nur bemerkte ich erst später, dass mein Fernseher die Evercade nicht automatisch als Konsole erkannte und erst manuell in den Game Modus über die entsprechende HDMI-Verbindung stellen musste. Davor kam es zu merklichen Inputlags, wovon danach nichts mehr zu sehen war. Das soll nicht als Nachteil zählen, nur ein Hinweis für alle, die es teils bei einer PS5, Switch oder Xbox bereits gewohnt sind, dass der Fernseher diese automatisch erkennt.

Auch die Evercade VS kommt mit der vorinstallierten Sammlung an Capcom Spielen, wie schon die EXP. Diesmal sind bei der Konsole aber noch zwei Spielemodule mit beigelegt. Dabei handelt es sich um:

01 Technos Arcade Cartridge 1
02 Data East Arcade Cartridge 1

Diese beinhalten Spiele wie Double Dragon III, Burger Time oder Breakthru und einige mehr. Allein mit der Konsole stehen einem schon einige Spiele zur Verfügung.

Wie schon die EXP wirkt die VS gerade für ihre Preiskategorie hochwertig. Für 100 € ist mir der Konsole selbst, zwei Controllern und den zwei beigelegten Spielemodulen einiges geboten.

Das Super Pocket

Als letztes im Bunde möchte ich noch kurz auf das Super Pocket von Blaze eingehen. Das ist deutlich kleiner als die EXP und hat sich von der Größe her augenscheinlich den Gameboy als Beispiel genommen, da beide Handhelds beinahe gleich groß sind.

Im Gegensatz zur EXP nutzt der Super Pocket einen 2,8 Zoll Bildschirm mit einer Auflösung von
320 x 240, bleibt aber bei einem IPS, was soweit zu einem guten Bild verhilft. Die Buttons und das D-Pad sind im allgemeinen einen Tick schlechter als die der EXP, stellen aber keinesfalls eine Hürde dar. Allerdings muss ich an dieser Stelle eine kleine Warnung ausgeben für alle, die für das Drücken der Buttons nicht die Fingerkuppe, sondern das Daumengelenk nutzen. Hier kann es passieren, dass der Daumen in dem Bildschirm ragt, da die Buttons und das D-Pad im Gegensatz zum GBC sehr nah am Bildschirm liegen. Dies kann beim Gameplay durchaus stören.

Da das Super Pocket praktisch alles abspielen kann, was seine großen Geschwister auch können, benötigt auch dieses seine Schultertasten. Dies hat Blaze durch Tasten auf der Rückseite gelöst:

Die Tasten sind in Ordnung zu erreichen, aber nicht angenehm. Wie schon die EXP hat auch das Super Pocket eine Laufzeit von ungefähr 4 Stunden. Allerdings fehlt dem kleinen Handheld auch die Option dieses an einen Fernseher anzuschließen. Nichts was man von so einem so kleinen Gerät per se erwartet, aber es sollte erwähnt sein.

Bei dem hier vorgestellten Super Pocket handelt es sich um die Capcom Version, bei der ebenfalls einige bereits benannte Spiele vorinstalliert sind. Es gibt auch noch eine TAITO Version, die eine andere vorinstallierte Spielebibliothek mit sich bringt. Zudem ist die Hülle der TAITO Version in Grau-Türkis und nicht in Gelb-Blau.

Bei einem Preispunkt von 60 € bekommt man nach wie vor eine gute Leistung für sein Geld. Doch würde ich persönlich empfehlen, lieber ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen und gleich die VS oder EXP zu kaufen.

Das OS

Das Betriebssystem der VS und der EXP scheinen dieselben zu sein, wobei es sich bei der Super Pocket einfach um eine abgespeckte Version davon handelt.

Die Menüs sind sauber und übersichtlich. Man findet eigentlich recht schnell alles was einen interessieren könnte. Wie auch zum Beispiel die Möglichkeit Scanlines für alte Spiele zu aktivieren, um das Spielgefühl wieder zurück zu bringen. Die VS und EXP bieten sogar die Möglichkeit, Spiele, die bald für die Evercadefamilie erscheinen, antesten zu können. Jeden Monat ein neues. Zudem habe ich euch bisher verheimlicht, dass die Evercade sogar noch mehr Spiele vorinstalliert hat. Zumindest die VS und die EXP. Diese sind aber anfangs noch nicht freigeschaltet und durch Eastereggs versteckt. Es teilen sich an dieser Stelle ein wenig die Geister, ob das nötig ist und warum nicht gleich alles einfach freigeschaltet ist. Doch ich mag die Idee. Die Community hat tatsächlich noch nicht alle Eastereggs gefunden. Und mit Updates kommen immer mal wieder neue dazu. Gerade auf der VS gibt es einige Geheimnisse, die sogar damit zusammenhängen, welche Spiele-Kombinationen in der Konsole stecken.

Wer sich Spoilen möchte wird hier fündig: https://evercade.info/vs-secrets-and-easter-eggs/

Die Spielemodule

Was Blaze hier macht, wird von einigen als ein gewagter Schritt eingestuft. In einer Zeit der Digitalisierung setzt Blaze wieder auf physische Module. Doch die Rechnung geht auf. Auf die Vor- und Nachteile von Physisch vs Digital werde ich mit Sicherheit in einem zukünftigen Artikel eingehen. Blaze macht hier auf jeden Fall einiges richtig.

Das erste, das positiv auffällt, ist beim aufmachen der Boxen. Kein Modul kommt ohne ein kleines Booklet in dem die Spiele kurz vorgestellt werden. Oft sind kleine Artworks oder weitere Gimmicks enthalten.

In Zeiten, in denen die meisten Spiele lustlos in ihrer Box liegen, freue ich mich schon über jedes Spiel, das zumindest ein Wendecover bietet. In der C64 Collection lag sogar ein kleines Extra bei, das man klassischerweise zum Lösen von Ingame-Rätseln benötigt. Ein Klassiker aus alten Tagen, bei denen es nicht unüblich war, dass teils Lösungen in den Anleitungsheften standen, wenn man wusste nach was man suchen musste.

Das Nächste, was mir sehr gut gefallen hat, ist die Updatefunktion der Spielemodule. Wo bei anderen Konsolen das Spiel auf den Konsolenspeicher installiert und auch dort geupdatet werden muss, was große Mengen an Speicher frisst und wiederholt werden muss, sollte man das Spiel deinstalliert haben, werden bei den Evercadespielen direkt die Spielemodule geupdatet. Eine clevere Idee, so muss ein Update nur einmal heruntergeladen werden. Lade ich das Update zum Beispiel herunter, während ich die EXP nutze und wechsle danach auf die Couch zur VS, ist das Spiel immer noch auf dem neuesten Stand. Auch Spielstände werden nicht auf der Konsole sondern auf dem Modul selbst gespeichert und können so mitgenommen werden, ohne eine feste Internetverbindung mit Cloud zu benötigen.

Die Spielemodule selbst sind kompatibel mit allen drei Konsolen (Handhelds) und sind mit einem Kostenpunkt von 20-25 € in einem sehr angenehmen Preisbereich. Hierbei kommt die Frage auf, warum AAA Publisher es bei 70 € Spielen nicht schaffen, ihren physischen Spielen ein wenig Liebe hinzuzufügen.

Fazit

Die Evercade Familie umfasst inzwischen mehrere Konsolen (Handhelds) und eine große Sammlung an Spielen. Zwar sind diese auf der Konsole software-emuliert, jedoch auf einem hohen Niveau und die Spiele sind legal lizenziert. Das alles zu einem Kostenpunkt, bei dem man wirklich nicht groß meckern kann. Gerade wer legal an teils ältere Spiele rankommen möchte, kann hier viele Treffer landen. Für die Evercade erscheinen aber auch immer mehr neue Indiespiele. Für Sammler ist die Evercade mit Sicherheit ebenfalls interessant. Von mir erhält die Evercade EXP und VS eine klare Kaufempfehlung. Bei der Super Pocket empfehle ich, nehmt sie vorher mal in die Hand und schaut, wie sie euch von der Ergonomie her liegt.


Wenn ihr Fragen zur vorgestellten Konsole habt, schreibt gerne in die Kommentare. Ich versuche dann darauf einzugehen.

Bis zum nächsten mal 🙂

Euer Sven

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