Gacha Heute
Das Gacha-Konzept hatte sich nach der Standardisierung des Internets schnell etabliert, da es nun möglich war den User für Spieleinhalte direkt zahlen zu lassen. Doch den großen Durchbruch machten sie erst, als auch Mobilgeräte leistungsstark genug waren, dass aufwendigere Spiele als Snake darauf lauffähig wurden. Übrigens auch ein Grund, warum in der Gaming-Community Mobilgeräte noch immer recht verpönt sind.
Kein kleiner Anteil der Spiele beinhaltet Gacha oder Microtransaktionen. Dies gilt bei vielen Gamern als nicht vollwertiges Spiel und Abzocke. Und diese hatte nun Mal vor allem im Mobile-Bereich seinen Ursprung.
Da diese Praktiken inzwischen mehr und mehr in den PC und Konsolenbereich überschwappt, verschwimmen die Unterschiede jedoch mit der Zeit. Dazu trägt die Leistungsfähigkeit moderner Handys bei. Als PCs im Taschenformat, können Handyspiele längst mit so manchen Konsolen oder PC-Titeln mithalten, wenn man mal von den Grafikwundern der beiden Plattformen absieht.
Da Gacha Spiele meist aus Asien stammen und oft den Anime Stil als Medium nutzen, fällt durch 2D Grafik oder Cellshading der Unterschied zwischen Mobile, Konsole und PC kaum noch auf. Zumal größere Produktionen heutzutage sowieso für alle Plattformen entwickelt werden. Nicht nur Mobile für PC und Konsole, sondern auch Spiele für diese bekommen immer öfter einer Mobile-Version. Die Mechanik hinter dem aktuellen Gacha System, kann sich von Spiel zu Spiel unterscheiden, doch basieren sie meist auf demselben Standard:
Mit einer Ingame-Währung ist es möglich Tickets zu kaufen (Pulls genannt), mit denen man wiederum die Chance auf den Erhalt eines bestimmten Gegenstandes oder Charakters hat. Meist sind entsprechende Items oder Charaktere in verschiedene Seltenheitsstufen eingeteilt. Wobei so gut wie immer gilt: Je seltener, desto besser. Die Chance auf diese kann je nach Spiel stark variieren.
Wobei fünf Faktoren hier eine entscheidende Rolle spielen:
- Wie hoch ist die angegebene Grundchance?
- Wie viele Pulls kann ich mir während des normalen Spielens erspielen?
- Wie oft kommt ein neues Banner?
- Gibt es Zusatzregeln?
- Wie viel kostet das kaufen von Pulls mit Echtgeld?
Grundchance und Free-2-Play Pulls
Meistens liegen die Chancen auf das Chase Item/Charakter bei 1-4%. Bei vielen Spielern gelten Gachas ab 3% schon als generös. Wobei eben die anderen vier benannten Faktoren oft vergessen werden. Als übertriebenes Beispiel, bringt es mir nicht viel, wenn ich eine 5% Chance auf einen besonderen Charakter habe, aber nur einen Pull pro Woche mit Ingame erspielen kann, ohne dafür Geld auszugeben. Wo ein anderes Gacha vielleicht nur 1% Chance hat, aber jeden Tag 5 Pulls erspielt werden können.
Eines der größten Negativbeispiele für die Welt der Gacha stammt ironischerweise nicht aus Japan, sondern aus den USA.
Diablo Immortal hat, zumindest nach meinem wissen, dass bei weitem schlechteste Gachasystem, dass ich jemals gesehen habe. Mit einer unterirdischen Chance von 0,0045% auf einen 5 Sterne und Qualität 5 Gem und zugleich einer äußerst geringen Anzahl an Pulls, die man durch das freie Spielen erhalten kann, schafft es Diablo Immortal mühelos auf Platz 1 der Gacha-Spiele, von denen ich die Finger lassen werde.
Dagegen erscheinen andere Spielen schon beinahe großzügig.

Pullfarming
Meine aktuelle Erfahrung ist, dass man sich in den meisten Gachas durch aktives Spielen um die 100-120 freie Pulls im Monat erspielen kann. Je nach System, kann das viel oder wenig sein. Zudem kann es auch hier zu Unterschieden kommen. Überwiegend farmt man die Pulls durch sogenannte Dailies. Also Aufgaben, die man jeden Tag erneut erledigen kann. Deutlich mehr bringen dann die Weeklies (Wöchentlich).
In vielen Spielen sind benannte Farmingmethoden relativ schnell abgearbeitet. Die Spiele wollen also, dass man gar nicht so viel zu tun hat (entsprechend der Inhalt des Spiels gering gehalten werden kann), aber zugleich auch, dass man jeden Tag reinschaut (um zu eurem Alltag zu werden). Es gibt aber auch hier Ausnahmen, in denen besonders die wöchentlichen Aufgaben um einiges Zeitintensiver sein können.
Ob dies nun gut oder schlecht ist, bleibt einem jedem selbst überlassen.
Allerdings fällt gerade diese Praktik in die aus meiner Sicht schlimmsten, über das ich in diesem Artikel eingehen möchte. Dem FOMO. Aber dazu später mehr.

Als Gamer der zweiten Stunde fing bei mir alles mit meinem Gameboy, NES und einem Rechner mit Norton Commander an. Bei den Brettspielen schaffte Siedler von Catan bei mir den Durchbruch zu komplexeren Spielen. Heute blicke ich stolz auf meine Sammlung an neuen und alten Spielen, ob nun Video- oder Brett. Meine Leidenschaft für Spiele und Spaß diese mit anderen zu teilen, wird sich wohl bis ins hohe Alter nicht mehr ändern.
